Palpitation und Puls

Aus Medlibrary

Wechseln zu: Navigation, Suche

Puls

v. lat.: pellere = schlagen, klopfen;
Partizip Perfekt Passiv pulsum

Inhaltsverzeichnis

Pulsarten

  • anterograden (vorwärts, mit dem Blutstrom): Arterieller Puls
  • retrograde (rückwärts, gegen den Blutstrom): Venenpuls

Pulsvariationen

Ruhepuls

Durchschnittlicher Ruhepuls:

  • bei Foeten: ca. 150/min
  • bei Säuglingen: ca. 130/min
  • bei Kindern: ca. 100/min
  • bei Jugendlichen: ca. 85/min
  • bei Erwachsenen: ca. 70/min
  • bei Alten: ca. 90/min

Paradoxer Puls

Als paradoxen Puls oder Pulsus paradoxus bezeichnet man den nicht normalen Abfall der Blutdruckamplitude um mehr als 10 mmHg bei der Inspiration (Medizin). Er tritt u. a. bei größeren

Venenpuls

von mehreren Faktoren abhängig:

  • insbesondere von der Atmung
  • der Körperlage
  • Körperaktivität

Der Venenpuls wurde früher als Jugularvenenpulskurve aufgezeichnet und kann heute relativ leicht mit einem Dopplergerät an den verschiedensten Regionen des Körpers abgeleitet werden. Dazu muss allerdings die Dopplerfrequenz auf die niedrigen Flussgeschwindigkeiten im Venensystem umgeschaltet werden.

Die typische Venenpulskurve zeigt zwei markante Täler, die dem systolischen und diastolischen Zustrom zum Herzen entsprechen. Nur in einer kurzen Phase kommt es zu einem kurzen Rückstrom in die Venen, was sich in der Venenpulskurve als kleiner Berg manifestiert.

A-Welle: Rückstrom in die Vene entspricht der Vorhofsystole

  • allerdings nur bei Sinusrhythmus und intakter mechanischer Vorhofaktion vorhanden.

Bei einer schweren Trikuspidalinsuffizienz strömt das Blut aus der rechten Herzkammer in der Systole in erheblichem Maß zurück in den rechten Vorhof und die vorgeschalteten Venen, so dass das systolische Tal der Venenpulskurve aufgehoben oder sogar umgekehrt als Berg erkennbar ist.


Pulsmessung (Sphygmologie)

Anzahl der Impulse pro Minute gemessen.


Pulsqualitäten

Neben der wichtigen Aussage Puls tastbar oder Puls nicht tastbar, zum Beispiel bei einem akuten Gefäßverschluss, unterscheidet man die Pulsqualitäten:

Regelmäßigkeit: regularis (regelmäßig) irregularis (unregelmäßig) (Herzrhythmusstörung)
Frequenz: frequens (schnell) rarus (langsam)
Härte (Unterdrückbarkeit): duris (hart) mollis (weich) (bei hohem oder niedrigem Blutdruck)
Amplitude: altus (hoch) parvus (gering)
Anstiegssteilheit: celer (schnell) tardus (langsam)

Klinisch bedeutsam sind z. B. folgende Pulsqualitäten:<ref>H. S. Füeßl, M. Middeke: Anamnese und klinische Untersuchung. Thieme, Stuttgart 2005.</ref>

  • Pulsus celer, altus, durus: „Wasserhammerpuls“, schnell, hoch und hart, typisch bei Aorteninsuffizienz
  • Pulsus tardus, parvus, mollis: langsam, klein und weich, typisch bei Aortenstenose
  • Pulsus bisferiens, auch Pulsus dicrotus (Dikrotie): zweigipfelig, bei hypertropher obstruktiver Kardiomyopathie
  • Pulsus tricrotus (Trikrotie): dreigipfelig bei Dikrotie mit folgender Extrasystole
  • Pulsus alternans: Wechsel von stark und schwach, evtl. bei Herzinsuffizienz
  • Pulsus bigeminus (Bigeminie): regelmäßiger Wechsel von hart und weich, typisch für ventrikuläre Extrasystolen
  • Pulsus trigeminus (Trigeminie): zwei Sinusschläge und eine Extrasystole (oder umgekehrt)
  • Pulsus anacrotus (Anakrotie): zusätzliche Pulswelle im aufsteigenden Schenkel, typisch bei Aortenstenose
  • Pulsus vibrans: schwirrender Carotispuls, typisch bei Aortenstenose
  • Pulsus filiformis (parvus, frequens, mollis): fadenförmiger, „dünner“ Puls, z. B. bei Kollaps
  • Pulsus intermittens: Aussetzen einzelner Schläge, vgl. Pulsdefizit

Die Traditionelle Chinesische Medizin beschreibt mehr Taststellen und Pulsqualitäten (s. Pulsdiagnose).